Gergely Péterfy,1966 geboren und Nachwuchsprofessor für klassische Sprachen , Ästhetik und Stil an einer kleinen Universität in Nordungarn, legt in seinem ersten ins Deutsche übertragenen Buch, das der Verlag unpassenderweise als Roman annonciert, rätselhafte und fantastische Erzählungen vor. Es sind philosophische Miniaturen über das Nichts und das Heim, über das Leben und das Erkennen, über die Kontemplation und die Tat und den Tod. Sie animieren den Leser zum Staunen – und zum anhaltenden Fragen, was das unterhaltsame Ganze denn für einen Sinn haben könnte.
Alle Geschichten tragen sich an einem Baggersee zu, der für den dort amtierenden selbsternannten "Wächter" kein Ort sommerlichen Badevergnügens, sondern des Todes ist: "Sie glauben,sie kämen zum baden, weil sie nicht wissen, das sie zum ersticken kommen."Der See ist voller Leichen und Müll,weshalb jeder, der badend demDreck entkommen wolle, so der Wächter, sich im Dreck wiederfinde. In den sechs nummerierten Kapiteln erzählt der Wächter von seinen Erlebnissen. Er ist wie alle an diesem Randort (Nichtort) dem bürgerlichen Leben entflohen (entkommen). Der Baggersee ist nicht dessen Negation, sondern vielmehr eine Zwischenzone: "Im Gegensatz zum Nichts, das gesetzlich wäre, ist hier alles, was ist, bis zum letzten Nagel ungesetzlich." Das schlechte Gewissen, das daraus folgt, lässt nur Provisorisches entstehen:"Bei den Holzhäusern fehlt es meist an Holz, beim Beton an Zement, Brunnen reichen nicht bis zum Wasser." Der Wächter bewacht also kaum etwas.
Als Teil des Rands sucht er das Vergessen – und muss feststellen, dass nach dem Vergessen ein "Constrictor" auftaucht, ein Statthalter der vergessenen Dinge, der an diese erinnert und selbst nicht zu vergessen ist.
Immerhin nähert der Wächter der ersehnten Fremdheit an, doch als er die von ihr geschenkte Erkenntnis formulieren will, bricht sein Satz in der Mitte ab. Der Wächter ist ein Philosoph ohne mittelbare Erkenntnis, eine kontemplative philosophische Existenz. Und vielleicht auch ein Gefährte von Samuel Becketts großen Wartenden Estragon und Wladimir.